BIROCCO
BIROCCO

Somit war der Point of no Return erreicht und ans Aufgeben war ab jetzt nicht mehr zu denken! Fasziniert wurde das Loch nun aus allen Perspektiven betrachtet. Dabei Flossen schon die späteren Punkte in Form von wasserunlöslichen Beschriftungen auf das Karosserieblech.

Es ist jetzt bereits Mitte Februar und das Arbeiten in der unbeheizten Lagerhalle des Bauernhofs war mehr als anstrengend, wenn man bedenkt, dass hier Temperaturen rund um den Gefrierpunkt herrschen. Ganz allein, nur in der Gesellschaft der Ratten, wurden etliche Stunden mit dem nunmehr nicht mehr als Fahrzeug zu bezeichnendem Stück Blech verbracht. Ein Stück Blech, was mich die letzten Jahre quer durch Europa bewegt hat-sollte es etwa hier seine letzte Ruhestätte finden?

Nebenbei erwähnt, begann der Umbau mit dem Neuerschaffen der hinteren Federbeindome und der Aufnahme des Golf2-Subframes!

Anson aus Ohio hat mich hier sehr inspiriert. Meine Umsetzung sollte zwar ähnlich aber dennoch anders werden. Das Ziel war nach wie vor, sich aus dem Volkswagen Baukastenregal bedienen zu können. Die hintere Achskonstruktion sollte komplett von einem Golf2 GTD übernommen werden. Da es aber nichts derartiges zu kaufen gibt, musste Blech in verschiedenen Stärken und Abmessungen organisiert werden. Dabei half mir fürs erste die ortsansässige Blechnerei mit unschlagbaren Preisen.

Die Profile und Bleche wurden mit dem 16V in die Werkstatt gekarrt und im Handumdrehen verarbeitet. Schablonen aus Wellpappe dienten mir als Hilfsmittel, die teilweise bizarren Formen zu realisieren. 

 

 

Nachdem die Löcher die Struktur des Sciroccos wohl etwas schwächten, gings darum das ganze wieder etwas zu stabilisieren. Verstärkungsbleche in allen erdenklichen stärken und Abmessungen wurden eingeschweißt. Dabei war auch die vertikale und horizontale Positionierung  des Achskörpers als extrem wichtig anzusehen. Teilweise plagten mich Fragen über irgendwelche Maße der Teile so, dass ich es mir nicht verkneifen konnte, nachts noch vor Ort zu erscheinen und das ein oder andere nachzumessen. Oder auch noch geschwind vor einer Geburtstagsfeier das ein oder andere Maß abnehmen und dann auf der Feier einen Besucher abendfüllend damit vollzumüllen…

Nur eines kam mir seltsam vor! Sonst sahen meine Schweißnähte doch nicht so runzelig aus!!! Naja, is schon ne Weile her, dass Du das regelmäßig gemacht hast… wird bestimmt werden. Das is schon Übungssache, schön sind die Nähte nicht, aber ich habe stets darauf geachtet, dass es an Festigkeit nicht mangelt.

Irgendwann kommt der Punkt, auf den man mehr oder weniger eigentlich nicht wartet. In vollem Arbeitseifer gehen Draht und Schweißgas aus! Also gewartet, bis die Geschäfte offen haben und das sündhaft teuere Zeugs besorgt! Gas ist echt teuer!!!

Da ich natürlich kein Ingenieur bin und auch nicht ein einziges Stück Blech von seiner Festigkeit berechnet habe ging ich nach dem Prinzip vor, dass es so stabil gebaut werden muss, damit es später auch nicht auseinanderfällt!

Habe ich schon erwähnt, dass es kein Vergnügen ist, den Originallack aus sämtlichen Ecken samt Unterbodenschutz zu entfernen? Die Krönung ist dann allerdings das daraufschweißen der Verstärkungsbleche, denn ruckzuck hat man in das dünne Originalblech ein Löchlein reingebrannt.

Im Gegensatz zu Herrn Clement aus Ohio verwendete ich kein Rundmaterial zur Verstrebung der hinteren Dome sondern Rechteckprofile 60x40. Damit konnte die Rohrbiegemaschine umgangen werden. Damit die Federbeine auch plug and play zu montieren sind, galt es einige Ideen im Kopf durchzukneten und sich für eine gut umsetzbare zu entscheiden!

 

So ein Projekt macht süchtig! Ich priorisierte, was letzendlich dazu führte, dass nur noch die nötigsten sozialen Kontakte aufrechterhalten wurden. Wenn es ging, wurde am Auto gearbeitet. Durch eine Schweißmaske mit unzureichender Gesichtsabdeckung hatte man dann auch eine unverwechselbare Gesichtsfarbe, welche sich nach ein paar Tagen in weiße Hautrunzeln abänderte. Immerhin macht das Schweißgerät auch im tiefen Winter die kälteste Scheune warm. Und jedes Mal, wenn ich eigentlich nach Hause gehen wollte, sagte mir mein Gewissen: Bleib noch eine halbe Stunde, wer weiß, ob nicht alles abbrennt hier! Denn der gute Unterbodenschutz und Lack aus den 80ern entzündet sich sehr leicht!