BIROCCO
BIROCCO

Also, am 11.April gings erstmal zum Ausspannen in den Süden.

Aber wenn man zuhause so ein „Baby“ hat, ist das gar nicht so einfach richtig loszulassen!

Eine unvergesslich schöne Woche ging schneller vorbei als einem lieb sein kann, nicht wahr, Monsieur Smie?

Wieder daheim, schon den Geberzylinder der Kupplung (von einem Deutz 130) angepasst und eingebaut. Das aufwändigste war hier, die Adaption der Bremsleitung an den Zylinder.

Die Kupplungsbetätigung sollte ein Hybrid aus Seilzug und Hydraulik werden, sprich vorderer Motor Seilzug und hinten die Hydraulik, schon allein der großen Entfernung wegen. Bremsleitung 4,75mm ist völlig ausreichend und konnte aus einem Golf 3 TDI recycelt werden. Kurz beim Schrottplatz vorbei und einen Kupplungs-Ausgleichsbehälter eines Honda Civic ergattert, schon kanns losgehen. Denn günstiger Weise hat das Scirocco-Kupplungspedal schon eine Aufnahme für einen Hydraulikzylinder. Lediglich ein Halter muss angefertigt werden.

Der Ausgleichsbehälter, gefüllt mit guter DOT3 nimmt seinen Platz hinter linken Luftausströmdüse ein, als müsste es so sein! Danke Anson, für den Tip mit den Wilwoods!

Der Nehmerzylinder ist ein Wilwood-Pull-Type, welcher auch wieder plug and play an das 020 passt. Nur die zölligen Gewinde benötigten Spezialadapter.

Der Gaszug verhielt sich gegen die Erwartungen unspektakulär und wurde aus einem Shimano Schaltzug ganz einfach ans Gaspedal angepasst.

Von der Kraftstoffseite her betrachtet waren meine Vorüberlegungen nicht ganz so, sagen wir mal von Erfolg gekrönt, wie es sich später herausstellen sollte. Der Plan war es, die originale Scirocco Vorförderpumpe im Tank natürlich wieder im Edelstahltank einzusetzen. Von dort aus gabelt sich der Vorlauf und versorgt den Druckspeicher für den vorderen Motor, sprich dessen Hauptpumpeneinheit. Die andere Seite der Gabelung versorgt über eine L-Jetronikpumpe eines Opel Manta den ABF mit 3bar. Auf dem Bild noch zu sehen, sind die Kunststoff Y-Adapter, welche noch vor dem ersten Start gegen solche aus Metall ersetzt wurden. Unfreiwilliger Weise entstand eine Art Kraftstoff-Krake, auch hier noch die nicht ausgewachsene Variante J

 

Anfangs plante ich den Wasserkühler des hinteren Motors in der Fahrzeugfront, versetzt zum Kühler des vorderen Motors, zu installieren. Leider war kein geeigneter Kühler verfügbar und der große GTD-Kühler wanderte ins Heck vors Abschlussblech. Dieses wurde dafür im Bereich der Kennzeichenhalterung sowie hinter der Stoßstange mit Lüftungsöffnungen versehen. Man prophezeite mir ein zugiges Lüftchen im Heckbereich.

Was fehlte noch? Klar, der vordere 16V! ABF besorgen, nur sind gerade keine brauchbaren Exemplare verfügbar. Gewissermaßen parallel mit dem Projekt versuchte ich von Beginn an, dem (nennen wir ihn mal) Senna klar zu machen, seinen 16V dafür zu „spenden“. Ums konkreter zu beschreiben: Seit mich der 16V-Wahn im Jahre 2002 in einem Jetta GLI gepackt hat, gabs für mich nur einen einzigen wahren Antrieb… nämlich den 16V. 2003 kam ich mal wieder günstig an eine solche Ausführung, die auch ziemlich lange in meinem Besitz blieb. Doch mit einem Scirocco 16V im Fuhrpark war der Jetta irgendwie nur noch zweite Wahl, auch wenn wir viele schöne Momente mit einander hatten. Kurzum riss mir eben der Senna den Wagen aus der Garage und mein damaliges Problem schien gelöst. Jetzt, im Jahre 2015 gabs nun wieder neue Herausforderungen… da fiels mir eines Tages ein: Der Jetta wird verschrottet (muss der Eigentümer aber auch mit einverstanden sein), den Motor bekomme ich, mein edler weißer 16V Scirocco wird nun der sportlichere Ersatz für den ehemaligen Jetta-Eigentümer (da muss der auch mit einverstanden sein) und im Endeffekt sind alle zufrieden. Option vorgeschlagen und die nächsten Tage saß ich wie auf glühenden Kohlen und wartete die Zustimmung ab. Als diese dann kam, war ich mehr als glücklich, denn der Jetta-Motor ist schon eine gute Wahl. Denke, es war im Jahr 2009, als Senna zum Geburtstag von mir den „zwei Auslasswellentrick“ bekam. Erstaunlich, der PL drückt auf dem Maha LPS3000 145,… PS. Denn der Gedanke, diesen 16V in den Silbergrauen zu basteln, den hatte ich schon im Jahr 2007, habs aber nie verwirklicht.

Jetzt gings darum, keine Zeit zu verlieren und der Jetta musste in die Lagerhalle. Kaum eingetroffen, Motor und Elektrik an einem Tag raus. Am nächsten Tag den JH entfernen und am dritten saß der 16V schon vorne im silbergrauen!

Fehlten nun noch Kleinigkeiten wie Elektrik, Abgasanlagen, etc…

Nebenbei musste noch im Kombiinstrument die Geschwindigkeitsanzeige gegen einen zweiten Drehzahlmesser ersetzt werden, Dies ist wichtig, sollte die Schaltung einmal nicht synchron arbeiten. Der „Tacho“, auf den ich trotzdem nicht verzichten wollte wanderte einfach schräg links unter die Lenksäule. Die Problematik, aus was eine Abgasanlage zu konstruieren, rückte jetzt in die Gegenwart. Selber bauen, klar, doch die Schalldämpfer würde ich lieber kaufen. Hab das damals bei meiner Florett RS schon selbst gemacht, aber so ein Autoschalldämpfer is einfach noch mal was anderes und außerdem wollte ich mich damit nicht auch noch aufhalten. Zum Glück fand ich die guten Arlows-Edelstahlpötte, sogar zu erschwinglichen Konditionen. Also: zweimal bitte!

Noch schnell ein 60er 6m-Rohr beim Stahlhandel besorgt und die Bögen konnten gefertigt werden. Begonnen wurde mit den Endrohren und danach am hinteren Motor. Da mir die originale 16V-Auspuffoptik schon immer zusagte und ich eher ein Befürworter von Understatement bin, wars ja klar, dass irgendwie, wenn auch etwas fern, die originale 16V-Optik kopiert werden musste. Der Winkelschleifer konnte jetzt mal wieder zeigen, was er drauf hat-und ja, ich bin begeistert.

Kurz drauf musste ja auch noch der vordere Motor abgasstrangseitig versorgt werden. Günstig in der Bucht einen Scirocco 16V Krümmer geschossen, musste nur noch das Hosenrohr vom Jetta abgeändert werden. Hier und da ein Hitzeblechle, Auspuffhalterung, irgendwo ein Gewindeeinsatz der Lambdasonde entfernt und wieder eingeschweißt, dann das Abgasrohr nach hinten angepasst, und dann kamen auch schon die Schrotthändler, die den Jetta-Kadaver mitnehmen wollten. Als dann die Karosse am Haken hing, musste ich mich schon die ein- oder andere Träne verdrücken. Abends war dann noch high-life in der Werkstatt, denn meine Freunde kamen zu besuch, abgesehen von meiner treuen Hilfe, die mich schon den ganzen Tag unterstütze. Gar nicht so einfach, sich zwischen Bier und Unterhaltungen aufs Schweißen zu konzentrieren. Wo ich’s gerade erwähne, mittlerweile spendet mir die dritte Gasflasche ihr Schutzgas und die dritte 5kg Rolle 0,8er Draht ist auch schon ziemlich am Ende, ganz zu schweigen von meiner nunmehr "zahnlosen" Drahtbürste. So gegen 23Uhr war dann auch der linke Schalldämpfer angebracht und das Publikum verlangte einen Soundcheck!!!