BIROCCO
BIROCCO

Begonnen hat alles im Jahre 2007:

 

Ein Bekannter fragte mich beim abendlichen Zusammensitzen und Pizzaessen so nebenbei, ob ich nicht Interesse an einem Scirocco hätte.

Sofort war ich hellwach!

„Klar habe ich das!!!“

(Denn früher, als ich in den 80ern noch in die Grundschule ging, hatten unsere Nachbarn einen White Cat. Der hat uns Kinder immer besonders beeindruckt, denn er hatte weiße Streifen auf den Rückleuchten.)

Nachgefragt, wo der Wagen denn stehe und wem er gehöre, wollte ich nur eines: Besichtigungstermin und Probefahrt!

 

Der Wagen stand glücklicherweise gerade bei meinem Kumpel um die Ecke. Und er gehörte damals noch seiner damaligen Freundin (wieso wusste ich davon nichts?).

Weiteres Nachfragen ergab, dass der Rocco wohl nicht mehr in besonders gutem Zustand sei und seine Freundin sich besser was neueres zum Fahren zulegen solle, so die Aussage meines Kumpels. (Gut für mich )

Da es allerdings schon dunkel draußen war, vereinbarten wir eine Besichtigung und Probefahrt bei schönem Wetter.

So, da stand er nun, silbergrau, auf verrosteten Stahlfelgen falscher Dimension und hässlichen Radkappen. TÜV war abgelaufen, ein schlecht reparierter Schaden auf der Fahrertürseite, aber egal! Ich war sofort infiziert und wollte ihn haben haben haben!!!

Denn nicht alles war schlecht:

Dieser 90er GTII hatte ja auf seinem JH erst 230tausend Kilometer runter, die Innenausstattung war inklusive Armaturenbrett tadellos.

Auch eine Probefahrt bestätigte den einwandfreien Zustand der robusten und bewährten Technik. Bremsscheiben und Klötze waren allerdings stark verschlissen und mussten auf jeden Fall erneuert werden.

Ebenso war starkes Spiel in der Lenkung vorhanden, was ja „gaaaanz gefährlich ist, außerdem hat er ja keinen Airbag“.

Als wir nach der Probefahrt wieder auf den Hof rollten, gings mit Pokerface an die Preisverhandlung…

Die Freundin meines Kumpels wollte den Wagen ja gar nicht verkaufen, doch als sicherheitsbewusster Partner an ihrer Seite hatte mein Kumpel bereits ganze Vorarbeit geleistet und wir einigten uns bei unschlagbaren 450€

 

Ein paar Tage später bekam ich den Wagen dann frei Haus geliefert und im Kofferraum schlummerten noch vier originale 14“ Stahlfelgen-juhuu!!!

 

Bereits am nächsten Tag war die Bremse gemacht und das lebensgefährliche Spiel in der Lenkung durch anziehen der Klemmschlaube am Kreuzgelenk ausgemerzt.

Dann Hauptuntersuchung: keine schwerwiegenden Mängel vorhanden und zack, schon war er auf mich zugelassen!

Jetzt gings aber erst richtig los, denn egal, welches Fahrzeug ich mir zulege, sämtliche Flüssigkeiten sowie Zahnriemen werden gewechselt.

Die Ventildeckeldichtung war noch zu erneuern und schließlich wurde alles in einem Aufwasch erledigt.

Aaaaber, zum Thema ÖL:

Unter dem Ventildeckel waren Krusten von steinharter Ölkohle, das Motoröl tropfte quasi wie Bitumen aus der Ablassschraube.

Oh mein Gott, was habe ich mir mit diesem Wagen angetan??? Oder besser noch: liebes Mädel, was hast Du diesem armen Wagen nur angetan!!!

War wohl jahrelang nur Billigöl drin oder gar immer nur ein und dasselbe…

 

Panik war allerdings völlig unbegründet.

Auf seiner ersten großen Reise ein paar Tage später nach Hamburg und die Ostsee (wohlgemerkt von Karlsruhe aus) verhielt sich der kleine silbergraue völlig brav und zuverlässig. Der Ölverbrauch war sehr gering, also ein guter Zustand der Innereien. Der Benzinverbrauch lag bei unfassbaren 6,7L auf hundert Kilometern, Trotz Geschwindigkeiten auf der Autobahn um die 120.

Millionenfach bewährte Technik!!!

Ziemlich zeitgleich trat ich dem Sciroccoforum bei.

Dort wurde gerade über ein Auto aus den USA von einem gewissen Anson gesprochen. Ein Scirocco mit zwei 16V Motoren.

Der helle Wahnsinn-das brauche ich auch!!!

Aber leider benötige ich ja ein zuverlässiges Fahrzeug für den Alltag.

Der Silbergraue blieb erstmal von der Säbelsäge verschont!

Auch die nächsten 13 Monate musste er zeigen, was in ihm steckt, denn mein Weg zur Arbeit und zurück betrug schließlich stolze 160km am Tag!

All das meisterte er unauffällig und völlig problemlos.

Eine Reise nach Italien, an die ligurische Küste war in einer Richtung mit einer Tankfüllung gar kein Problem (er ist einfach gut eingestellt, der JH)

 

Was ich bisher noch nicht erwähnt hatte:

Mein Fahrzeug, welches ich zuvor schon jahrelang bewegte und auch was mich bewegte, war ein Jetta 16V. Immer eigentlich genug Power, welche mir beim Scirocco nun doch irgendwie fehlte.

Also Ausschau halten nach einem 16V Scirocco… und da war er: pflegebedürftig für unschlagbare 900€-sofort zu mir in die Garage.

Pflegebedürftig war hier wirklich ernst zu nehmen. Schließlich verlaß er nach rund drei Monaten meine Garage im Zustand eines fast-Neuwagens.

Sehr schön-doch zu schade für den Alltag und zu schade um ihm einen zweiten Motor zu verpassen.

Der Jetta wurde schließlich in gute, befreundete Hände abgegeben.

Doch das Projekt ließ mich nicht los-zwei Motoren im Scirocco, das muss es einfach sein-irgendwann vielleicht!?!

Die Jahre vergingen, genau gesagt sieben an der Zahl, nachdem ich mit dem Sciroccovirus angesteckt wurde.

Novemberabend im Lokal, bei ein paar Bierchen wurde ich nebenbei gefragt, ob ich nicht einen 16V Scirocco mit vierhunderttausend Kilometern kaufen wolle!

400000? Is doch nichts, denn schließlich hat der JH mittlerweile 425tausend drauf, auf der ersten Maschine!

„Her mit der Nummer, ich ruf da morgen an!“

Treffen vereinbart (glücklicherweise steht der 16V im Nachbarort) und es waren gar nicht 400000km sondern nur 311000.

Fahren war äußerst schwierig, denn der Weiße steht auf einem matschigen Acker, und das schon seit Jahren, Schlüssel ist auch gerade nicht zur Hand…

Also wochenlang abgewartet und als ich schon gar nicht mehr damit gerechnet hätte, stand letztendlich das gute Stück bei mir im Hof!

So! Jetzt hast du drei Sciroccos, zwei 16V und einen treuen JH.

Der Plan:

Den neuen 16V im Alltag fahren (so, wie ich es mir schon seit Jahren wünsche), den Top-16V evtl.verkaufen und den JH umbauen.

 

…So soll es sein-das Projekt konnte beginnen…